Laub als Grünfutter für Ziegen

Ziegen
Veröffentlicht am 13.12.2017
Überarbeitet am 08.01.2018

Die Ziegen suchen sich auf die Weide ihr Futter selbst. Dennoch sollte ihnen zusätzlich – auch ausserhalb der Winterzeit – stets Heu oder Stroh zur freien Verfügung abgeboten werden. Das Futter muss sauber und darf nicht verdorben sein. Ziegen-Mägen reagieren rasch empfindlich!

Laub, Rinde, Reisig sind nicht nur beliebt, sondern auch gut für die Gesundheit (Mineralsalze, Spurenelmente, etc.) und sollten deshalb regelmässig angeboten werden (z.B. Ahorn, Eiche, Esche, Kastanie, Haselnuss, Apfel, Pappel, Ulme, Himbeere und sämtliche Nadelhölzer mit Ausnahme von Eibe und Thuja, die für Ziegen giftig sind). Nadeläste sind ein Leckerbissen und besonders im Winter ein guter Vitaminenlieferant.

Als Saftfutter angeboten werden können im begrenztem Umfang zum Beispiel Futterrüben, Möhren oder Äpfel.

Die Verfütterung von Gras- oder Mais-Silage ist ebenfalls möglich. Sofern genügend Weideland und Heu/Stroh vorhanden sind, raten wir aber davon ab. Der Magen-Darm-Trakt der Ziegen wird durch die Silage stark belastet. Bereits kleinere Fehler bei der Herstellung oder Lagerung können überdies zu erheblichen Gesundheitsproblemen (Vergiftungen, Listeriose) führen. Zudem kann die Silage-Fütterung negative Auswirkungen auf die Käseherstellung haben (vgl. unten).

Der Trinkwasserbedarf liegt bei rund zwei Litern je Kilogramm aufgenommene Trockenmasse. Bei Hitze und während der Laktation kann der Bedarf noch deutlich steigen. Die Ziegen sollten deshalb stets Zugang zu frischem und sauberem Wasser haben.

Der Mineralstoffbedarf der Ziegen wird insbesondere durch Mineral- und Salzlecksteine abgedeckt. Sie sind für die Tiere im Stall und auf der Weide anzubringen. In Phasen der Trächtigkeit und Säugezeit, kann es angezeigt sein, zusätzlich kleinere Mengen an im Handel erhältlichen Mineralstoffgemischen abzugeben.
Es ist immer wieder festzustellen, dass Mineralstoff- und Vitaminmischungen/-blöcke angeboten werden, welche den Ziegen (trotz anderslautender Bewerbung des Produktes) geschmacklich nicht behagen. Wenn das Angebot nach einer ersten Angewöhnungsphase von den Ziegen nicht genutzt wird, muss es zwingend ersetzt werden, sonst drohen Mangelerkrankungen. Ein besonders Augenmerk ist auch darauf zu richten, dass Lecksteine und Schalen nicht verschmutzt sind . Ist dies nicht gewährleistet, wird das Angebot konsequent gemieden. Aus diesem Grund sollten Leckschalen und Lecksteine nicht auf den Boden gestellt, sondern stets erhöht angebracht werden.

Kraftfutter sollte – wenn überhaupt- nur gezielt und mit Zurückhaltung verwendet werden. Dabei ist nach dem Leistungsbedarf zu unterscheiden. Bei trockenen, nicht milchgebende Tiere sollte auf Kraftfutter vollumfänglich verzichtet werden. Für trächtige und milchgebende Muttertiere kann hingegen eine Kraftfutterbeigabe ratsam sein. Eine Beigabe von zwei bis drei Handvoll pro Tag genügt im Nomalfall vollumfänglich (entspricht 80 bis 120g Kraftfuttermischung), wobei mit den Erwartungen an die Milchleistung auch der Kraftfutterbedarf steigt. Während der Phase der Hochträchtigkeit (4. u. 5 Monat) ist ebenfalls mehr Kraftfutter abzugeben. Für eine gute Milchqualität mit dem nötigen Fettgehalt sollte Kraftfutter stets in mehreren Gaben verabreicht werden und erst nachdem bereits Raufutter vorgelegt wurde.

Wenn nur wenig Muttermilch vorhanden oder die Weide dürftig ist, kann eine Beigabe von Kraftfutter auch für die Aufzucht von Lämmern angezeigt sein. Menge und Inhalt müssen dem Alter angepasst sein. Zum Thema „Kraftfutter“ sei abschliessend auch noch erwähnt, dass die „Philosophien“ über Umfang und Art der Kraftfutterbeigaben teilweise weit auseinandergehen.

Die Fütterung der Ziegen sollte 2x pro Tag erfolgen. Den Tieren muss dabei einerseits genügend Zeit zum Fressen, andererseits aber auch genügend Ruhezeit zum Wiederkäuen gewährt werden. So verbringen die Ziegen mehrere Stunden pro Tag mit der Futteraufnahme und etwa die gleiche Zeit mit dem Wiederkäuen und Ausruhen. Die Ruhezeit findet vorzugsweise um die Mittagszeit statt.

Fütterungsfehler können die Tiergesundheit massiv beeinträchtigen. Wichtige Grundsätze zur Gesunderhaltung sind: Verwenden Sie nur einwandfreies, nicht verdorbenes Futter. Vermeiden Sie krasse Futterwechsel. Achten Sie stets auf einen genügenden Rohfaseranteil. Verzichten Sie auf grössere Mengen an kohlenhydratreichen Futtermitteln (wie z.B. Getreide, Melasseschnitzel, Zuckerrüben). Stellen Sie einen genügenden Mineralstoffausgleich sicher und sorgen Sie dafür, dass immer frisches Wasser zur Verfügung steht.

Qualität lohnt sich

Eine Ziege braucht durch das Jahr einiges an Futter. Für die Wirtschaftlichkeit der Ziegenhaltung ist es wichtig, dass viel Grundfutter abgesetzt werden kann. Dieses Ziel wird mit der Abgabe von qualitativ gutem, schmackhaftem Heu erreicht. Denn eine gute Heuqualität wirkt sich frappant auf die Heuaufnahme aus:

jung geschnitten – sehr gut: 2.2-2.8 kg
vor der Blütte geschnitten – gut: 1.8 – 2.1 kg
in der Blütte geschnitten – gröber: 1.5-1.7 kg
Ende der Blütte geschnitten oder
durch Regen verminderte Qualität: 1.1. -1.4 kg

Nicht nur der Zeitpunkt des Schnittes und die Witterungsverhältnisse beeinflussen die Heuqualität. Auch Bearbeitungs- und Lagerungsfehler wirken sich auf die Qualität negativ aus. Häufige Probleme sind Futtererwärmung, Schimmelbefall oder Verunreinigungen. Gutes Heu weist eine hellgrüne bis dunkelgrüne Farbe auf und riecht aromatisch. Die Blattteile sind noch sichtbar. Überhitztes Heu ist stark gebräunt und hat einen brandigen oder tabakartigen Geruch. Das Futter ist schlecht verdaulich und hat einen schlechten Nährwert. Ebenfalls einen tiefen Nährwert weist altes, sperriges Futter auf. Auf keinen Fall in die Futterkrippe gehört schimmliges Heu. Es ist durch seinen muffigen Geruch und Staubbildung erkennbar. Seine Giftstoffe (Mykotoxine) können die Tiergesundheit stark beeinträchtigen (z.B. Durchfall).

Mineralstoffe und Spurenelemente im Laubfutter

Ziegen fressen ausserordentlich gerne Laub. Jede Laubart verfügt über wichtige Mineralstoff- und Spurenelemente. Die Mengen sind jedoch unterschiedlich. Nachfolgend finden Sie die Angaben zu einigen Laubarten (g bzw. mg pro kg Futter TS). Sie können diese auch nach den Gehaltsmengen sortierten (durch Anklicken der Pfeile).

LaubartCa MgNa <Fe Mn Cu Zn Co Se 
Rotbuche22.51.40.1421.4299922436<0.20.064
Esche13.90.40.3629.591241014<0.20.051
Hainbuche17.21.70.2512.91722’37118360.330.065
Himbeere11.82.70.1443.11602561943<0.20.075
Schlehe10.11.60.6349.0100701919<0.2<0.02
Haselnuss19.52.50.6222.216254118310.720.043
Feldahorn9.60.90.2723.0913291732<0.20.031
Schw. Holunder35.53.10.1623.8102261231<0.20.022
Rot. Hartriegel30.42.00.2121.010929818<0.20.027
Sommerlinde13.91.20.0925.6139418819<0.2<0.02
Brombeere9.21.70.1134.91297831628<0.2<0.02
Fichte9.50.90.1027.46862864<0.20.04
Rosskastanie12.90.50.0738.9140581615<0.2<0.02
Heckenrose19.03.80.2053.38127924<0.20.041
Sanddorn9.50.70.2723.493691228<0.20.043

Anmerkungen: CA=Kalzium (g), Mg=Magnesium (g), Na=Natrium (g), K=Kalium (g), Fe=Eisen (mg), Cu=Kupfer (mg), Zn=Zink (mg), Mn=Mangan (mg), Co=Kobalt (mg), SE=Selen (mg). Quelle (mit weiteren Angaben): Gerold Rahmann, Spuren- und Mengenelement-Gehalte im Laubfutter.

 

Größtes Futterspektrum aller Wiederkäuer

Die Futterwahl der Ziege ist sehr selektiv, vorgezogen werden die nährstoffreichsten Pflanzen. Dafür werden auf der Weide auch weite Wege in Kauf genommen, was den hohen Zeitbedarf der Ziegen für die Futteraufnahme erklärt. Sie erfolgt in der Regel in 1 – 3 Phasen pro Tag. 6 – 8 Stunden werden zum Wiederkauen benötigt!

Jan-Gerd Ahlers gibt in der Zeitschrift Schafzucht 15/06 Tipps zur Fütterung. Er schliesst seinen Beitrag mit folgenden Ausführungen: „Ziegen sind bei der Futteraufnahme also einerseits sehr wählerisch, andererseits nimmt die Ziege das breiteste Futterspektrum aller Wiederkäuer auf.
Es gibt kaum eine Futterpflanze, die sie gänzlich verschmäht. Bei der praktischen Fütterung sind die beiden Verhaltensweisen:

– Naschen statt Weiden auf der einen Seite und
– Genügsamkeit bei der Auswahl der Futterpflanzen auf der anderen Seite zu beachten.“

Er führt weiter aus, dass Lämmer, Jungziegen und Muttertiere einen unterschiedlichen Nährstoffbedarf und unterschiedliche Anforderungen an die Futtermittel haben, die es zu berücksichtigen gilt. Grundsätzlich gelte bei der Fütterung: „So viel Grundfutter wie möglich, so wenig Kraftfutter wie nötig!“ Wenn die Ziegenmilch zu Käse weiterverarbeitet werden soll, müsse bei der Auswahl des Futters auf die „Käsereitauglichkeit der Milch“ geachtet werden. Negativ auf den Käse wirken sich zum Beispiel hohe Anteile Silage oder Raps aus.

Generell hat die Fütterung einen erheblichen Einfluss auf den Milchgeschmack. Gemäss Fachliteratur führt die alleinige Heufütterung zu einem ausgeprägteren Ziegenmilchgeschmack wie die freie Futtersuche beim Weidegang. Verstärkend wirken sich auch Silage und grössere Mengen an Kraftfutter aus. Der Geschmack des Futters verliert sich mit der Zeit. Die stärksten Einflüsse sind somit zu verzeichnen, wenn unmittelbar vor dem Melken gefüttert wird.

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